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Letzte und erste Sichtbarkeit der Mondsichel
Einleitung
Dauer eines Mondmonats
Sichtbarkeitskriterien
Berechnungen
Datendownload
Vergleich mit überlieferten ägyptischen Daten
Einleitung
In Gesellschaften, die einen am Mondlauf orientierten Kalender benutzen, beginnt der Monat
für gewöhnlich in dem Moment, in dem nach Neumond erstmals die schmale Mondsichel
wieder am Abendhimmel sichtbar wird. Das Alte Ägypten bildete diesbezüglich eine Ausnahme.
Dort begann der neue Monat nämlich mit der Nichtsichtbarkeit der Mondsichel am Morgenhimmel,
d.h. einen Tag nach der letzten Sichtbarkeit der alten Mondsichel am Morgen.
Damit der alte bzw. neue Mond gesehen werden kann, müssen drei Punkte erfüllt sein:
- die Mondsichel muss eine gewisse Mindestbreite erreichen,damit sie lichtstark genug ist,
- die Mondsichel muss eine gewisse Mindesthöhe über dem Horizont haben, andernfalls wird
sie durch die Extinktion der Erdatmosphäre unsichtbar,
- die Sonne muss tief genung unter dem Horizont stehen.
Schon seit Zeiten der Babylonier und vielleicht auch schon früher wurde versucht, Kriterien
zu bestimmen, die für eine erste Sichtbarkeit der Mondsichel nach Neumond ausschlaggebend
sind. Endgültig gelöst ist dieses Problem bisher nicht
[1]. Weit verbreitet war der Versuch anhand des Mondalters
das Neulicht vorherzusagen. Eine solche einfache Zeitregel ist jedoch sehr unsicher, da die
Bahngeschwindigkeit des Mondes sehr unterschiedlich ist. Bei gleichem Mondalter können
am Abend- bzw. Morgenhimmel somit ganz unterschiedliche Verhältnisse herrschen.
Dauer eines Mondmonats
Die Bezeichnung Mondmonat bezieht sich auf einen vollen Umlauf des Mondes in Bezug auf einen
gewissen Referenzpunkt. Die sogenannte Lunation bezeichnet die Zeitspanne eines vollen
Umlaufs des Mondes auf seiner Bahn um die Erde in Bezug zur Sonne. Dies ist die
Zeit von einem Neumond, wenn Sonne und Mond in Konjunktion stehen, zum nächsten Neumond.
Diese Zeit nennt man auch die synodische Periode des Mondes. Da diese stark schwankt,
bezeichnet man die mittlere Lunationsdauer von 29 Tagen, 12 Stunden und 44 Minuten als
synodischen Monat. Die genaue Länge kann heute aber zwischen 29 Tagen, 6 Stunden und 32 Minuten
und 29 Tagen, 19 Stunden und 59 Minuten variieren. Früher war die Variation grösser,
in Zukunft wird sie geringer werden. Grund dafür ist die Exzentrizität der
Erdbahn, die sich im Laufe der Zeit verringert.
- Die Mondmonate sind am längsten, wenn der Mond sich am langsamsten und die Erde
sich am schnellsten bewegt. Der Mond befindet sich dann nahe seines Apogäums
(= Erdferne) und die Erde nahe ihres Perihels (sonnennächster Punkt).
- Die Mondmonate sind am kürzesten, wenn der Mond sich am schnellsten und die
Erde sich am langsamsten bewegt. Der Mond befindet sich dann nahe seines Perigäums
(= Erdnähe) und die Erde nahe ihres Aphels (sonnenfernster Punkt).
- Heute sind in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 1. April die wahren Lunationen im
allgemeinen etwas länger als im anderen Halbjahr.
Abbildung 1 zeigt die Dauer von 235 Lunation beginnend im Februar 2001 v. Chr. Diese
Zeitspanne entspricht einem sogenannten Metonzyklus von 19 Jahren. Dies ist
die Zeitspanne nach der dieselbe Mondphase wieder am gleichen Kalendertag auftritt. Die
roten Dreiecke markieren Zeitpunkte, zu denen viermal ein 29-tägiger Monat in Folge
auftritt, das grüne Dreieck den Zeitpunkt, zu dem fünfmal ein 30-tägiger Monat hintereinander
vorkommt. Aus diesr Grafik ist gut ersichtlich, dass solche Häufungen gleich langer
Mondmonate zeitlich nah auftreten. Die erste Viererfolge 29-tägiger Mondmonate in der
Grafik dauerte vom Februar bis Mai 1986 v. Chr., dann folgten von August bis Dezember 1986 v. Chr. fünf
30-tägige Mondmonate aufeinander, und von Februar bis Mai 1985 v. Chr. traten nochmals
vier 29-tägige Mondmonate in Serie auf.
Seit dem Jahr 2001 v. Chr. können maximal fünfmal 30-tägige Monate aufeinander folgen, und
bis zu viermal 29-tägige. Zwischen 2001 v. Chr. und 2000 n. Chr. traten 12 Mal fünf 30-tägige
Mondmonate hintereinander auf, wobei diese nicht gleich verteilt sind. Zwischen 588 v. Chr.
und 887 n. Chr. gab es keine, im 2.Jt. v. Chr. hingegen sechs (1986, 1950, 1800, 1764, 1578
und 1128 v. Chr.). Vier aufeinanderfolgende 30-tägige Mondmonate sind nichts Ungewöhnliches;
es gab sie 484 Mal innert 4000 Jahren. Vier 29-tägige Monate hintereinander traten bis
zum Jahr 65 v. Chr. 42 Mal auf, seither nicht mehr. Drei aufeinanderfolgende 29-tägige
Monate sind wiederum häufig (644 Mal innert 4000 Jahren).
Abbildung 2 zeigt die Dauer der Lunationen beginnend im Februar 2001 v. Chr. für insgesamt
236 Jahre bis zum März 1765 v. Chr. Jedes der 6 Panels umfasst etwa 39.5 Jahre.
Rote Dreiecke markieren wieder die Zeitpunkte, zu denen viermal ein 29-tägiger Monat in Folge
auftritt, grüne Dreiecke die Zeitpunkte, zu denen fünfmal ein 30-tägiger Monat hintereinander
vorkommt. Folgende Punkte und unterschiedliche Perioden lassen sich erkennen:
- Ein stark periodisches Muster umfasst etwa 9 Jahre, was 111 Lunationen entspricht. Das
ist gerade jene Zeit, die das Perigäum der Mondbahn benötigt, um sich 360° ostwärts in Bezug
zum Perihel der Erdbahn fortzubewegen. Da sich die Exzentrizität der Erdbahn im Laufe der
Zeit verringert, sind heute die hohen Spitzen etwas geringer, die niedrigen Spitzen dafür
aber etwas höher.
- Die kürzeste Periode lässt sich gut in Abbildung 1 erkennen, sie beträgt 14 Lunationen.
Ursache dafür ist die Ostwärtsbewegung des Perigäums der Mondbahn.
- Weniger gut zu erkennen ist ein schwach periodisches Muster, das 2277 Lunationen
umfasst (entspricht ca. 184 Jahre). Das ist genau jene Zeit, welche die Knotenpunkte der
Mondbahn benötigen, um 180° westwärts zurück zu wandern im Bezug zum Perihel der
Erdbahn.
- Die Maxima der positiven Spitzen treten dann auf, wenn die Erde sich nahe ihres Perihels
befindet, wo sie sich am schnellsten bewegt, und die Konjunktion des Mondes nahe dem
Apogäum stattfindet, wo der Mond sich am langsamsten bewegt.
- Die Maxima der negativen Spitzen treten dann auf, wenn die Erde sich nahe ihres Aphels
befindet, wo sie sich am langsamsten bewegt, und die Konjunktion des Mondes nahe dem
Perigäum stattfindet, wo der Mond sich am schnellsten bewegt.
- Die Minima der positiven Spitzen treten dann auf, wenn die Erde sich nahe ihres Perihels
befindet, wo sie sich am schnellsten bewegt, und die Konjunktion des Mondes auf halbem Weg
zwischen Perigäum und Apogäum stattfindet, wo der Mond sich mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit bewegt.
- Die Minima der negativen Spitzen treten dann auf, wenn die Erde sich nahe ihres Aphels
befindet, wo sie sich am langsamsten bewegt, und die Konjunktion des Mondes auf halbem Weg
zwischen Perigäum und Apogäum stattfindet, wo der Mond sich mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit bewegt.
Für detailliertere Erläuterungen möchte ich auf folgende hervorragende Beiträge hinweisen
und deren Lektüre empfehlen:
- J. Meeus, More Mathematical Astronomy Morsels, Richmond 2002, 19-31 (ausführliche
Beschreibung der unterschiedlichen Faktoren, welche die Dauer eines Mondmonats beeinflussen;
More Mathematical Astronomy Morsels).
- J. Meeus, More Mathematical Astronomy Morsels, Richmond 2002, 201-205 (beschreibt die
langperiodischen Variationen der Erdbahn;
More Mathematical Astronomy Morsels).
- F. R. Stephenson & L. Baolin, On the Length of the Synodic Month, The Observatory 111,
1991, 21-22 (sehr gute knappe Zusammenfassung; online verfügbar
hier).
- I. Bromberg, University of Toronto,
The Length of the Lunar Cycle.
Sichtbarkeitskriterien
Babylon:
Die Babylonier sind die ersten von denen uns eine Sichtbarkeitsregel überliefert ist
[18].
Ihr Kriterium wurde bis ins 20. Jh. verwendet.
Das Neulicht kann gesehen werden, wenn die Höhendifferenz zwischen Mond und Sonne
grösser oder gleich 12° ist,
d.h. wenn zwischen Sonnenuntergang und Monduntergang
mindestens 48 Minuten liegen.
Fotheringham:
In der Mitte des 19. Jh. sammelte der Astronom Julius Schmidt in Griechenland einige
positive und negative Altlicht- bzw. Neulichtbeobachtungen. 1910 veröffentlichte
Fotheringham eine Arbeit in der er die Beobachtungen von Schmidt und anderer Leute
auswertete
[2]. Er kam zum Schluss, dass die Mondsichel
sichtbar ist, wenn die Differenz in der Höhe zwischen Sonne und Mond mindestens
12° beträgt. Ist der Abstand im Azimut grösser als 0°, verringert sich diese
notwendige Höhendifferenz.
Maunder:
Maunder kritisierte Fotheringham, dass er die Grenzlinie zu sehr an den
negativen Beobachtungen ausrichtete
[3]. Er schlägt folgende Gleichung zur
Berechnung der Mindestmondhöhe vor:
Hmin = 11° - (5. + Azimut) * Azimut * 0.01
Schoch:
Schoch publizierte 1927 Planetentafeln, die auch eine Tabelle mit Kriterien für die
erste Sichtbarkeit der Mondsichel nach Neumond enthalten
[4]. Er hat diese Tabelle danach nochmals
überarbeitet; nach seinem Tod wurde sie in Neugebauers Werk veröffentlicht
[5].
Vergleich der bisherigen Kriterien:
| minimale Höhendifferenz zw. Sonne und Mond |
| Azimutdifferenz |
Fotheringham |
Maunder |
Schoch 1927 |
Schoch 1930 |
| 0° |
12° |
11° |
10.7° |
10.4° |
| 5° |
11.9° |
10.5° |
10.3° |
10° |
| 10° |
11.4° |
9.5° |
9.6° |
9.3° |
| 15° |
11° |
8° |
7.6° |
8° |
| 20° |
10° |
6° |
|
6.2° |
Bruin:
Frans Bruin wählte 1977 einen neuen Ansatz
[6]. Er berechnete welche Helligkeit der Mond
haben muss, um vor einem Himmelshintergrund mit bestimmter Helligkeit noch sichtbar
zu sein. Bruin bietet eine rein grafische Lösung des Sichtbarkeitsproblems. Man
muss die Weite des Mondes w und die Höhe des Mondes über dem Horizont bei Sonnenuntergang
kennen, um zu bestimmen, ob der Mond sichtbar ist oder nicht. Zudem gibt er einen
Zeitpunkt für die bestmögliche Sichtbarkeit an.
Schaefer:
Schaefer griff Bruins Ansatz auf
[7]. Er versuchte, viele Parameter wie die Durchsichtigkeit
der Atmosphäre, die Höhe, die geographische Breite, die Temperatur, die relative
Luftfeuchtigkeit und den Aerosolgehalt der Luft zu berücksichtigen. Er definierte
einen Parameter R, der eine logarithmische Grösse der Sichtbarkeit des Mondes ist.
Dieses Kriterium hat sich jedoch nie durchgesetzt.
Yallop:
Yallop versuchte, die Ansätze von Bruin mit den Kriterien von Maunder und Schoch zu
verknüpfen[8].
Er übernimmt für die Mindesthöhe des Mondes bei einer bestimmten Azimutdifferenz
die Werte von Schoch aus dem Jahr 1930, gleichzeitig verwendet er aber auch den Zeitpunkt
der besten Sichtbarkeit des Mondes und die Weite der Mondsichel als Kriterium von Bruin.
Er berücksichtigt die Mondparallaxe und die topozentrische Weite der Mondsichel. Yallop
führt in der Folge einen Parameter q ein, der den Grenzwert für eine mögliche
Sichtbarkeit angibt. Er unterscheidet insgesamt sechs Sichtbarkeitsgebiete, von denen
für antike Beobachtungen grundsätzlich nur die ersten drei relevant sind:
| A |
|
q > |
+0.216 |
leicht sichtbar; ΔH ≥ 12° |
| B |
+0.216 |
≥ q > |
-0.014 |
sichtbar unter perfekten Bedingungen |
| C |
-0.014 |
≥ q > |
-0.160 |
sichtbar mit Feldstecher, ev. auch ohne optisches Hilfsmittel |
| D |
-0.160 |
≥ q > |
-0.232 |
sichtbar mit Teleskop |
| E |
-0.232 |
≥ q > |
-0.293 |
auch mit Fernrohr nicht sichtbar; ΔH ≤ 8.5° |
| F |
-0.293 |
≥ q |
|
unsichtbar, da unter dem Danjon Kriterium; ΔH ≤ 8° |
Dieses Kriterium gilt momentan als das Beste.
Berechnungen
Die Berechnung der letzten/ersten Sichtbarkeiten der Mondsichel vor bzw. nach Neumond
und der Neumonde für weit zurückliegende Zeiten ist mit gewissen Unsicherheiten belastet:
- Die Erdrotation verlangsamt sich im Laufe der Zeit. Der resultierende Zeitunterschied,
ΔT genannt, der sich auf ca. 12 Stunden im Jahr 2000 v. Chr. aufsummiert und die
Unsicherheit desselben (2000 v. Chr. etwa 2 Stunden) muss in die Berechnungen eingehen.
- Astronomen arbeiten noch heute daran, die Berechnungsmethoden für die
letzten/ersten Sichtbarkeiten der Mondsichel zu verbessern
[1], wobei nur die Sichtbarkeitsgebiete A und B
berücksichtigt wurden.
Es wurden die Neumonde und die letzten/ersten Sichtbarkeiten der Mondsichel vor/nach
Neumond im Zeitraum zwischen 2000 v. Chr. und 2000 n. Chr. berechnet, wobei die
Unsicherheit in ΔT berücksichtigt sowie verschiedene Mond- und Sonnenephemeriden
verwendet wurden. Für die Berechnung der Mond- und Sonnenposition wurden zwei
verschiedene Ephemeriden getestet. Einmal die DE406-Langzeit Ephemeriden des Jet
Propulsion Laboratory, welche es erlauben, die Positionen der Sonne, des Mondes
und aller Planeten zwischen 3001 v. Chr. und 3000 n. Chr. zu berechnen
[9]. Für einen Vergleich wurden die Sonnenkoordinaten
auch mit der VSOP2000-Theorie
[10] und die Mondkoordinaten mit der ELP/MPP02-Theorie
berechnet
[11].
Für die Berechnung der ersten/letzten Sichtbarkeiten der Mondsichel wurde das Kriterium
von Yallop verwendet
[8] wobei nur die Sichtbarkeitsgebiete A und B
berücksichtigt wurden. Dieses Sichtbarkeitskriterium basiert auf geozentrischen
Berechnungen, d.h. der Beobachter wird als im Erdmittelpunkt befindlich angenommen.
Da diese Berechnungen topozentrisch ausgeführt werden - d.h. der Beobachter
wird auf der Erdoberfläche an einem Ort mit der geographischen Breite φ und der
geographischen Länge λ angenommen -, wurde zunächst überprüft, ob das Yallop-Kriterium
überhaupt anwendbar ist und ob allenfalls die Grenzwerte angepasst werden müssen. Ein
Vergleich mit mehr als 600 Beobachtungsdaten aus dem Zeitraum zwischen den Jahren 1859
und 2004 und mit ca. 440 überlieferten ersten Sichtbarkeiten bzw. Nicht-Sichtbarkeiten
aus Babylon aus dem Zeitraum zwischen 568 und 73 v. Chr. ergab, dass in den allermeisten
Fällen das Beobachtungsergebnis mit der Rechnung übereinstimmte
[12].
In Anbetracht der Unsicherheit von ΔT wurde davon Abstand genommen, die bei
Yallop angegebenen Grenzwerte für die Sichtbarkeiten anzupassen .
Für die Berechnung von ΔT wurden die Formeln von Espenak verwendet
[13], für die Abschätzung
der Unsicherheit dieser Werte die Formel von Huber
[14].
| Jahr |
ΔT |
Unsicherheit (ΔT) |
| -3000 |
20h 31m |
±2h 30m |
| -2500 |
16h 30m |
±1h 42m |
| -2000 |
12h 54m |
±1h 02m |
| -1500 |
9h 44m |
±32m |
| -1000 |
7h 01m |
±11m |
| -500 |
4h 45m |
±7m |
| 0 |
2h 55m |
±5m |
Für eine detailliertere Beschreibung der verwendeten Ephemeriden (in Englisch) siehe
hier.
Datendownload
Wenn Sie die folgenden Daten herunterladen und verwenden wollen, bitte ich Sie, folgende
Publikation und diese Homepage als Quelle anzugeben:
R. Gautschy, "Monddaten aus dem Archiv von Illahun:
Chronologie des Mittleren Reiches", Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde
178, Vol. 1, 2011, 1-19.
Es wurden für die Orte Alexandria, Heliopolis, Memphis, Illahun, Abydos, Theben, Abu Simbel,
Elephantine und Babylon Tabellen generiert, in denen
jeweils für ein mittleres ΔT die Zeitpunkte des Neumondes und der letzten bzw. ersten
Sichtbarkeit der Mondsichel im Julianischen und im Ägyptischen bzw. Babylonischen Kalender angegeben sind.
Ergab sich in der Rechnung bei der Berücksichtigung der Unsicherheit von ΔT
oder bedingt durch die unterschiedlichen Ephemeridenversionen eine Diskrepanz um
einen Tag, so ist dies in den Tabellen vermerkt. In solchen Fällen muss offen
bleiben, an welchem Tag die Mondsichel das erste bzw. letzte Mal tatsächlich beobachtet
werden konnte.
Die folgenden elektronischen Daten entsprechen der Version 2 meines Programms (April 2012). Im Vergleich
zur Version 1 wurden einerseits neuere Berechnungsmethoden für die Präzession eingebaut und andererseits
ein Fehler bei der Berechnung der Mondauf- und -untergangszeiten behoben.
Die in
der folgenden Tabelle unter der Spalte "download Monddaten Letzte (Erste)" verfügbaren
Daten enthalten für jeden Beobachtungsort:
- Das Datum der letzten bzw. ersten Sichtbarkeit im julianischen (ab 1582 im gregorianischen) Kalender,
- die Uhrzeit in mittlerer Greenwichzeit zu der die Mondsichel am besten beobachtet werden konnte (um die
lokale Uhrzeit zu erhalten, müssen 2 Stunden addiert werden),
- der Wert von ΔT in Sekunden,
- der Wert der Unsicherheit von ΔT in Sekunden.
- das Datum der letzten bzw. ersten Sichtbarkeit im ägyptischen bzw. babylonischen Kalender,
- Sonnenaufgangszeit in mittlerer Greenwichzeit im Fall der letzten Sichtbarkeiten bzw.
die Sonnenuntergangszeit in mittlerer Greenwichzeit im Fall der ersten Sichtbarkeiten (um die
lokale Uhrzeit zu erhalten, müssen 2 Stunden addiert werden),
- Monduntergangszeit in mittlerer Greenwichzeit im Fall der letzten Sichtbarkeiten bzw.
die Mondaufgangszeit in mittlerer Greenwichzeit im Fall der ersten Sichtbarkeiten (um die
lokale Uhrzeit zu erhalten, müssen 2 Stunden addiert werden),
- Wert des Sichtbarkeitskriteriums falls die Mondsichel in den Sichtbarkeitsbereich B fällt,
- Code falls bei der Berücksichtigung der Unsicherheit von ΔT
oder bedingt durch die unterschiedlichen Ephemeridenversionen eine Diskrepanz um
einen Tag in positiver Richtung (+1) bzw. negativer Richtung (-1) auftrat,
- das Datum des Neumondes im julianischen (ab 1582 im gregorianischen) Kalender,
- und die Uhrzeit in mittlerer Greenwichzeit des Neumondes (um die
lokale Uhrzeit zu erhalten, müssen 2 Stunden addiert werden).
Wichtig:
Das Datum im ägyptischen Kalender ändert sich in den Tabellen wie das julianische bzw. gregorianische Datum
um Mitternacht. Dies muss bei einem Vergleich mit überlieferten Monddaten berücksichtigt werden!
Die angegebenen babylonischen Kalenderdaten vor 747 v. Chr. sind mit Unsicherheiten behaftet, da es keinen
fixen Schaltrhythmus gab. Aus Verwaltungstexten lässt sich ableiten, dass manchmal mehrere direkt aufeinanderfolgende
Jahre Schaltjahre waren. Bei den hier berechneten Kalenderdaten konnte dies nicht berücksichtigt werden. Ein
Schaltmonat am Jahresende wird dann eingefügt, wenn der babylonische Jahresbeginn vor den
Frühlingsanfang fallen würde. Das bedeutet, dass die Abweichung des hier verwendeten theoretischen
babylonischen Kalenders vom tatsächlich in Gebrauch gewesenen mehrere Monate betragen kann!
Vergleich mit überlieferten ägyptischen Daten
Es gibt verschiedene Annahmen darüber zu welchem Tageszeitpunkt im Alten Ägypten das
Kalenderdatum wechselte. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass der ägyptische Tag
mit der Morgendämmerung begann
[15]. Wenige andere glauben, dass der ägyptische Tag
mit dem Sonnenaufgang begann
[16]. Beide Gruppen beziehen sich dabei immer wieder
auf Angaben im Almagest des Klaudios Ptolemaios, die aber mitunter unterschiedlich
interpretiert werden
[17].
Für die Auswertung bedeutet das, dass bei einem angenommenen Tagesbeginn bei Sonnenaufgang
die in der Morgendämmerung stattfindende Beobachtung der Mondsichel noch am alten Tag
erfolgt. Kann die Mondsichel nicht mehr beobachtet werden, so beginnt wenige Minuten
später der neue Mondmonat. Wegen des unsicheren Tagesbeginns ändert sich in diesen Tabellen
das ägyptische Datum wie das Julianische Datum bereits um Mitternacht. Das muss bei der
Auswertung der Daten insofern berücksichtigt werden, als dass bei der Annahme eines
Tagesbeginns bei Sonnenaufgang gegenüber einem überlieferten Datum die Tageszahl um
zwei reduziert werden muss.
Beispiel:
Ist ein Mondmonatsbeginn an I Peret 7 überliefert, so muss in diesem Fall in der
Tabelle der letzten Sichtbarkeiten unter dem Datum I Peret 5 gesucht werden. Im ägyptischen
Kalender springt das Datum erst nach dem Sonnenaufgang, was in den Rechnungen schon
um Mitternacht geschieht. Da es sich um eine Beobachtung vor dem Sonnenaufgang handelt,
wäre in unserem Beispiel die alte Mondsichel an I Peret 6 erstmals nicht mehr gesehen
worden. Damit erfolgte die letzte Sichtung an I Peret 5.
Geht man hingegen von einem Tagesbeginn bei Dämmerungsbeginn aus, ereignet sich die
Beobachtung bereits am neuen Tag und somit ist das ägyptische Datum in den Tabellen
identisch mit der tatsächlichen ägyptischen Tagesangabe zum Beobachtungszeitpunkt.
Der Tag der ersten Nichtsichtung fällt hier mit dem ersten neuen Mondmonatstag zusammen.
In diesem Fall muss in der Tabelle der letzten Sichtbarkeiten bei der um eins reduzierten
Tageszahl um Übereinstimmungen gesucht werden.
Beispiel:
Ist ein Mondmonatsbeginn an I Peret 7 überliefert, so konnte die alte Mondsichel an
I Peret 7 erstmals nicht mehr beobachtet werden. Somit erfolgte die letzte Sichtung
an I Peret 6.
Anmerkungen
- 1 So werden z.B. beim IOP Moonwatch
Programm Beobachtungen gesammelt mit dem Ziel, die bestehenden Sichtbarkeitskriterien
zu verfeinern. Dasselbe Ziel verfolgt das Islamic
Crescents' Observation Project.
- 2 J. K. Fotheringham, On the smallest visible
phase of the Moon, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 70, 1910, 527-530.
- 3 E. W. Maunder, On the samllest visible
phase of the moon, Journal of British Astronomical Association 21, 1911, S. 355-362.
- 4 C. Schoch, Planeten-Tafeln für Jedermann, 1927.
- 5 P. V. Neugebauer, Astronomische Chronologie, 1929, B17.
- 6 F. Bruin, The first visibility of the
lunar crescent, Vistas in Astronomy 21, 1977, 331-358.
- 7 B. E. Schaefer, Visibility of the lunar
crescent, Quarterly Journal of the Royal Astronomical Society 29, 1988, 511-523.
- 8 B. D. Yallop, A Method for Predicting the
First Sighting of the New Crescent Moon, NAO Technical Note No. 69, 1997.
- 9 E. M. Standish, JPL Planetary and Lunar Ephemerides,
DE405/LE405, Jet Propulsion Laboratory Interoffice Memorandum 312.F, 1998.
- 10 X. Moisson & P. Bretagnon, Analytical
Planetary Solution VSOP2000, Celestial Mechanics and Dynamical Astronomy 80, 2001, 205-213.
- 11 J. Chapront & G. Francou, The lunar theory ELP revisited. Introduction of new
planetary perturbations, Astronomy & Astrophysics 404 (2003), 735-742.
- 12 Die mehr als 600 modernen Beobachtungen
sind zusammengefasst bei M. Sh. Odeh, New Criterion for Lunar Crescent Visibility,
in: Experimental Astronomy 18, 2004, 39-64. Die Babylonischen Beobachtungen
finden sich bei S. Stern, The Babylonian month and the new moon: sighting and
prediction, Journal for the History of Astronomy 39, 2008, 22-30.
- 13 F. Espenak, Polynominal expressions
for deltaT, http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEhelp/deltatpoly2004.html
- 14 P. J. Huber, Modeling the Length
of Day and Extrapolating the Rotation of the Earth, 91-104, in: F. Bònoli, S. de Meis &
A. Panaino, Astronomical Amusements: papers in honour of Jean Meeus, Mailand 2000.
- 15 Dazu gehör(t)en unter anderem
Parker, Krauss, und Spalinger: R. A. Parker, The Beginning of the Lunar Month in
Ancient Egypt, Journal of Near Eastern Studies 29, 1970, 219; A. Spalinger, Rez. von C. Leitz, Studien zur
ägyptischen Astronomie, 1991, Orientalische Literaturzeitschrift 87, 1992, 23-26; R. Krauss, CChEM 4, 2003, 193-195.
- 16 Dieser Meinung sind Leitz und Luft:
C. Leitz, Studien zur ägyptischen Astronomie, ÄA 49, Wiesbaden 1989, 50-51;
U. Luft, Der Tagesbeginn in Ägypten, Altorientalische Forschungen 14, 1987, 3-11.
- 17 U. Luft, Der Tagesbeginn in Ägypten,
Altorientalische Forschungen 14, 1987, 3-11. R. Krauss, Ä&L 8, 1998, 122-123
- 18 M. Sh. Odeh, New criterion for lunar crescent visibility,
Experimental Astronomy 18, 2004, 39-64.
Diese Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen eines Marie Heim-Vögtlin
Stipendiums finanziert.
Erstellt von
Rita Gautschy
Version 2, April 2012