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Der Stern Sirius im Alten Ägypten und in Babylon
Sirius und seine Erscheinungen im Jahreslauf
Vergleich mit antiken Beobachtungen
Einleitung
Im Alten Ägypten waren ein Sonnen- und ein Mondkalender in Gebrauch. Den Ägyptern war schon
früh aufgefallen, dass das erste Erscheinen des Sterns Sirius am Morgenhimmel - sein
sogenannter heliakischer Frühaufgang - gut mit dem Beginn der Nilflut zusammenfiel.
Das bürgerliche ägyptische Jahr bestand aus 12 Monaten à 30 Tagen und 5 sogenannten
Epagomenen, war somit insgesamt 365 Tage lang. Das astronomische Sonnenjahr ist im
Vergleich dazu um etwa einen Vierteltag länger. Das bedeutet, dass sich das Sonnenjahr
und das bürgerliche Jahr um ca. einen Tag pro vier Jahre gegeneinander verschoben.
Dadurch wanderte auch der heliakische Frühaufgang des Sirius im bürgerlichen ägyptischen
Kalender alle vier Jahre um einen Tag weiter. Die Zeitspanne, in der der Frühaufgang
des Sirius auf den gleichen ägyptischen Kalendertag fällt, bezeichnet man als Tetraëteris
oder Quadrennium. Ein Zusammenfallen von bürgerlichem und astronomischem Neujahr
wurde von den griechischen Schreibern Apokatastasis genannt, und die Zeitdauer
von einer Apokatastasis zu nächsten als Sothisperiode bezeichnet.
Sirius und seine Erscheinungen im Jahreslauf
Sirius ist im Verlaufe eines Jahres zu unterschiedlichen Zeiten am Nachthimmel sichtbar.
In Abbildung 1 sind die unterschiedlichen Erscheinungen des Sirius in Memphis für das Jahr
des Kanopusdekrets (239 v.Chr.) bei einem angenommenen Sehungsbogen von 10° und einer
scheinbaren Höhe des Sirius von 3° aufgezeichnet
[1]. An der Seite stehen die Tagesstunden,
wobei 0h für Mitternacht steht, auf der horizontalen Achse sind die Monate bzw. Tage aufgeführt.
Die untere Kurve beschreibt die Zeiten des Sonnenuntergangs, die obere diejenigen des Sonnenaufgangs.
Die grau hinterlegte Zone zwischen diesen beiden Kurven gibt somit die Nachtzeit an. Die
drei gestrichelten Linien stellen die Zeitpunkte für den Siriusaufgang, die Siriuskulmination
und den Siriusuntergang für jeden Tag eines Jahres dar. Nun sind auf diesen Linien acht
Punkte speziell gekennzeichnet, die Ptolemaios als Phaseis bezeichnet hat und für die
man in der antiken Literatur Datumsangaben findet. Die Reihe der Erscheinungen beginnt
mit dem kosmischen Aufgang des Sirius am 7. Juli. An diesem Tag geht Sirius gleichzeitig
mit der Sonne auf und er bleibt vorläufig noch unsichtbar. Erst am 19. Juli geht er so
viel früher als die Sonne auf, sodass er in der Morgendämmerung erstmals sichtbar wird;
diesen Zeitpunkt nennt man den heliakischen Frühaufgang. Sirius entfernt sich immer
weiter von der Sonne und ist zunächst in den letzten Nachtstunden im Osten sichtbar.
Am 23. November geht Sirius beim Aufgang der Sonne unter. Dies nennt man den wahren
kosmischen Untergang, der aber nicht direkt beobachtet werden kann. Wenige Tage später,
am 28. November, kann der sogenannte scheinbare kosmische Untergang in der Morgendämmerung
gesehen werden. Am 9./10. Dezember steht Sirius um Mitternacht im Meridian und damit
beginnt der zweite Teil seiner Sichtbarkeitsperiode. Er geht immer früher am Abend auf
und der scheinbare akronychische Aufgang - sein letzter sichtbarer Aufgang in der
Abenddämmerung - erfolgt am 29. Dezember. Am 3. Januar geht er genau bei Sonnenuntergang
auf, was als wahrer akronychischer Aufgang bezeichnet wird. Im Mai ist Sirius nur mehr
in der Abenddämmerung sichtbar und am 12. Mai findet der letzte sichtbare Untergang statt
(heliakischer Spätuntergang), womit seine Sichtbarkeitsperiode abschließt. Am 23. Mai
geht er gleichzeitig mit der Sonne unter, was aber nicht direkt beobachtet werden kann.
Vom 12. Mai bis zum 19. Juli bleibt Sirius unsichtbar.
Sehungsbogen (arcus visionis)
Der Sehungsbogen bzw. arcus visionis eines Sterns ist die ohne Refraktion berechnete
Höhendifferenz zwischen dem Stern und der Sonne wenn der Stern im Horizont steht.
Die astronomische Refraktion ist definiert als der Winkel, um den sich der tatsächliche
Höhenwinkel eines Sterns vom beobachtbaren scheinbaren Höhenwinkel unterscheidet.
Ursache der Refraktion ist die Brechung der Lichtstrahlen von Sternen beim Durchgang durch
die Erdatmosphäre. Die Refraktion ist am grössten im Horizont und sie bewirkt,
dass ein Stern um einen (prinzipiell berechenbaren) Betrag höher am Himmel steht
als es tatsächlich der Fall ist.
Der Sehungsbogen ist somit eine Größe, die aus einer Beobachtung errechnet werden kann und die
sowohl von der Helligkeit des Sterns als auch vom Winkelabstand der Aufgangspunkte
vom Stern und der Sonne abhängt. Sirius ist der hellste Stern am gesamten Sternenhimmel
und der Winkelabstand zwischen scheinbarer Sonnenbahn und Sirius hat sich im Laufe
der Zeit verkleinert. Das bedeutet, dass Sirius früher theoretisch bei einem noch
kleineren Sehungsbogen hätte sichtbar werden müssen als heute.
Typischerweise wird der Sehungsbogen ohne Refraktion so berechnet, dass der Stern auf
einer Höhe von 0°, d.h. im Horizont, steht und die Sonne 8° (bzw. 9°, 10°, 11°)
unter dem Horizont steht. Diese klassische Definition des Sehungsbogens mit einer
Sternhöhe von 0° rührt daher, dass sich die Berechnungsformeln und damit auch der
Rechenaufwand in diesem Spezialfall beträchtlich vereinfachen, was in Zeiten vor
der Verfügbarkeit von Computern sehr wichtig war.Tatsächlich ist es aber unmöglich,
in Ägypten Sirius mit der Höhe 0° zu beobachten, dies aus mehreren Gründen:
Berechnungen
Die Berechnung heliakischer Frühaufgänge und heliakischer Spätuntergänge des Sirius für
weit zurückliegende Zeiten ist mit gewissen Unsicherheiten belastet:
Datendownload
Wenn Sie die folgenden Daten herunterladen und verwenden wollen, bitte ich Sie,
die Adresse dieser Website und die folgende, im Jahr 2011 erscheinende Publikation
als Quelle anzugeben:
R. Gautschy, "Der Stern Sirius in Ägypten", Zeitschrift für
Ägyptische Sprache und Altertumskunde 178, Vol. 2, 2011, 116-131.
Vergleich mit antiken Beobachtungen
Aus dem Alten Ägypten sind mir insgesamt sechs überlieferte Siriusdaten bekannt,
die prinzipiell für chronologische Zwecke benützt werden können. Die vermutlich
zuverlässigste Angabe ist diejenige eines heliakischen Frühaufgangs aus der
Ptolemäerzeit, der im Dekret von Kanopus aus dem 9. Jahr des Ptolemaios III
Euergetes I erwähnt ist. Demnach sollte im 10. Monat, am 1.Payni (entspricht II Shemu 1)
ein Fest des Aufgangs der göttlichen Sothis gefeiert werden. Aus dieser Zeit
kennen wir auch den Beobachtungs- bzw. Referenzort: Olympiodor berichtet, dass in
griechisch-römischer Zeit der heliakische Frühaufgang in Memphis entscheidend war.
Ein heliakischer Frühaufgang des Sirius in Memphis im Jahre 239 v. Chr. konnte nur
dann am 19. Juli stattgefunden haben, wenn der Sehungsbogen ca. 10° betrug.
Anmerkungen
Sothisperiode:
Censorinus und andere frühe Autoren berichten, dass Sirius wegen der unterschiedlichen
Länge von bürgerlichem und astronomischem Sonnenjahr im bürgerlichen Kalender alle
vier Jahre einen Tag nach hinten wandert, und nach einem sogenannten Sothiszyklus
von 1460 julianischen Jahren wieder am Neujahrstag, I Achet 1, seinen heliakischen Frühaufgang hat.
In der Vergangenheit wurden viele Versuche unternommen, das erste Jahr einer Sothisperiode
zu bestimmen und damit eventuell auch auf die Einführung des Kalenders schließen zu
können. Die Länge einer Sothisperiode ist jedoch nicht konstant, sodass eine schematische
Rückrechnung mit einer Verschiebung von einem Tag alle vier Jahre die Situation am Himmel
nicht richtig beschreibt. Die tatsächliche Dauer einer Sothisperiode weicht jedoch
nicht mehr als 8 Jahre von den angenommenen 1460 Jahren ab, sodass es nicht
verwunderlich ist, dass kein einziger antiker Autor sogenannte Triëteriden
(Dreijahreszyklen) erwähnt und mit Recht bezweifelt werden darf, dass dieser Unterschied
in der Antike überhaupt jemals bemerkt wurde.
Ein realistischer Wert für eine erste Sichtbarkeit des Sirius ist eine scheinbare Höhe
von 2° bis 3° über dem Horizont, wobei die Refraktion berücksichtigt werden sollte.
Im Folgenden wird immer jener Winkel zwischen Sonne und Stern als Sehungsbogen bezeichnet,
bei dem der Stern scheinbar 2° oder 3° hoch und die Sonne 6° (bzw. 7°, 8°, 9°) unter
dem Horizont steht. Dies widerspricht der klassischen Definition des Sehungsbogens,
gibt aber die tatsächlichen Bedingungen am Himmel wieder. Die hier angegebenen Sehungsbögen
können einfach in "klassische" Sehungsbögen umgerechnet werden, indem der Wert für
die Refraktion davon abgezogen wird. Bei einer Sternhöhe von 3° müssen 0.2° vom
angegebenen Wert abgezogen werden und bei einer Sternhöhe von 2° sind es 0.3°.
Es wurden die heliakischen Frühaufgänge und die heliakischen Spätuntergänge des Sirius
im Zeitraum zwischen 3000 v. Chr. und 2000 n. Chr. berechnet, wobei systematisch alle
Parameter innerhalb der Fehlergrenzen variiert wurden, um die Einflüsse der
unterschiedlichen Parameter auf die Resultate zu untersuchen. Für die Berechnung
der Siriusposition zu den unterschiedlichen Zeiten wurden die Koordinaten aus dem
Jahr 2000 verwendet
[2]. Präzession und Nutation, die Änderung der Schiefe der Ekliptik
im Laufe der Zeit und die Eigenbewegung des Sirius sind berücksichtigt. Für die
Berechnung der Sonnenposition wurden zwei verschiedene Ephemeriden getestet. Einmal
die DE406-Langzeit Ephemeriden des Jet Propulsion Laboratory (JPL), welche es erlauben,
die Positionen der Sonne und aller Planeten zwischen 3001 v. Chr. und 3000 n. Chr.
zu berechnen
[3]. Für einen Vergleich wurden die Sonnenkoordinaten auch mit der
VSOP2000-Theorie berechnet
[4].
Für die Berechnung von ΔT wurden die Formeln von Espenak verwendet
[5], für die Abschätzung
der Unsicherheit dieser Werte die Formel von Huber
[6].
Jahr
ΔT
Unsicherheit (ΔT)
-3000
20h 31m
±2h 30m
-2500
16h 30m
±1h 42m
-2000
12h 54m
±1h 02m
-1500
9h 44m
±32m
-1000
7h 01m
±11m
-500
4h 45m
±7m
0
2h 55m
±5m
Für eine detailliertere Beschreibung der verwendeten Ephemeriden (in Englisch) siehe
hier.
Da der genaue Beobachtungsort in den meisten Fällen nicht bekannt ist, wurden die
heliakischen Auf- und Untergänge des Sirius für die Orte Alexandria, Memphis, Illahun, Theben, Elephantine
und Babylon berechnet und der Sehungsbogen jeweils zwischen 8° und 11° variiert. Die in
der folgenden Tabelle unter der Spalte "download Daten Frühaufgang und Spätuntergang" verfügbaren Daten enthalten
für jeden Beobachtungsort und den gewählten Sehungsbogen:
Unter der Spalten "download Tetraëteren" können Tabellen heruntergeladen werden, aus
denen sich die Lage der Triëteren (3-Jahreszyklen) und allfälliger Penteteren (5-Jahreszyklen)
ablesen lassen. Die Tabellen enthalten:
Beispiel:
-2118 2 Peret 15 18/18/17/17
-2114 2 Peret 16 18/18/17
-2111 2 Peret 17 18/18/18/17/17
In der ersten Zeile des Beispiels fiel der heliakische Frühaufgang des Sirius in den
Jahren -2118 bis -2115 im ägyptischen Kalender auf den 2 Peret 15 und im
julianischen Kalender in den Jahren -2118 und -2117 auf den 18. Juli, in den Jahren
-2116 und -2115 auf den 17. Juli. Hierbei handelt es sich um eine gewöhnliche
Tetraëteris.
In der zweiten Zeile findet man eine Triëteris, d.h. der heliakische Frühaufgang des Sirius
fiel nur in den Jahren -2114, -2113 und -2112 auf denselben ägyptischen Kalendertag
(2 Peret 16) und im julianischen Kalender auf den 18. Juli bzw. 17. Juli im Jahr -2112.
Die dritte Zeile zeigt eine Penteteris: fünf Jahre lang, von -2111 bis -2107, ereignete
sich der heliakische Frühaufgang des Sirius im ägyptischen Kalender am 2 Peret 17. Im
julianischen Kalender fiel dieses Ereignis somit in den Jahren -2111 bis -2109 auf den 18.Juli und
in den restlichen zwei Jahren auf den 17. Juli.
Ort
Höhe über
HorizontSehungsbogen
download Daten Frühaufgang
und Spätuntergangdownload
Tetraëteren
Alexandria
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Memphis
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Illahun
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Theben
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Elephantine
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Babylon
2°
8°
hier
hier
3°
8°
hier
hier
2°
9°
hier
hier
3°
9°
hier
hier
2°
10°
hier
hier
3°
10°
hier
hier
2°
11°
hier
hier
3°
11°
hier
hier
Ein weiteres Datum eines heliakischen Frühaufgangs des Sirius ist das sogenannte
Censorinus-Datum aus dem Jahr 139 n.Chr. Censorinus schreibt, dass 100 Jahre
vor der Abfassung seines Büchleins der heliakische Frühaufgang des Sirius mit dem
bürgerlichen Neujahrstag in Ägypten, dem 1.Thoth (entspricht I Achet 1), zusammengefallen
ist. Um für Memphis im Jahr 139 n.Chr. einen heliakischen Frühaufgang am 21.Juli
zu erhalten, ist ein Sehungsbogen zwischen 10° und 11° notwendig.
Die folgenden vier antiken ägyptischen Siriusdaten eignen sich nicht für eine Ableitung
des antiken Sehungsbogens, da die genauen Jahreszahlen nicht bekannt sind. Aus ihnen
kann man bei Annahme eines realistischen Wertebereichs für den Sehungsbogen eine grobe
absolute Datierung der betreffenden Pharaonen erhalten:
In der Vergangenheit war man davon ausgegangen, dass diese überlieferten Siriusdaten eine
absolute zeitliche Einordnung der Pharaonen auf vier Jahre genau ermöglichen. Man muss
jedoch bedenken, dass von diesen sechs Siriusdaten aus Ägypten nur eines, nämlich das
Datum im Kanopus Dekret, ein solcher "Anker" für die absolute Chronologie ist. Grund
dafür ist, dass es in den anderen fünf Fällen entweder textliche Ungereimtheiten
(Censorinus-Datum, Illahun-Datum), oder grundsätzliche Zweifel ob es sich dabei
überhaupt um ein korrektes Siriusdatum handelt (Gebel Tjauti-Datum,
Ebers-Datum), oder unvollständiger Angaben (Elephantine-Datum) gibt. Daher können
diese Siriusaufgangsdaten ausschließlich dazu
verwendet werden, eine Eingrenzung des in Frage kommenden Zeitintervalls zu geben,
aber nicht für eine auf vier Jahre genaue Datierung wie oft angenommen wurde.
Abgesehen vom Censorinus-Datum muss jeweils von einer Zeitspanne von 12 bis 14 Jahren
ausgegangen werden - unter der Annahme dass der Beobachtungsort bekannt ist.
Um diese Zeitspanne vielleicht enger begrenzen zu können, müssen in erster Linie antike
Siriusbeobachtungen ausgewertet werden. Man findet solche Beobachtungen bei Klaudios
Ptolemaios (2. Jh. n. Chr.) und Geminos (1. Jh. v. Chr.) in Wetterkalendern ( Parapegmata). Der Kern der Phaseis
des Ptolemaios ist ein Wetterkalender, der Daten erster und letzter Sichtbarkeiten
von hellen Fixsternen und Daten mehr oder weniger fixer Wetterwechsel angibt.
Ptolemaios nennt die in der folgenden Tabelle angegebenen Daten für die heliakischen Frühaufgänge
und Spätuntergänge des Sirius in Ägypten sowie den daraus abgeleiteten Sehungsbogen:
Klima
Breite
Alexandrinisches
DatumJulianisches
DatumSehungsbogen
Tetraëteris
14 Stunden
31°
28. Epiphi
22. Juli
12°
22/22/22/21
14 Stunden
31°
17. Pachon
12. Mai
10°
12/12/12/11
Für Ägypten sind somit vier gute antike Siriusbeobachtungen erhalten, aus denen
sich Sehungsbögen relativ zuverlässig ableiten lassen weil der Beobachtungsort
jeweils bekannt ist:
Quelle
Zeit
Sehungsbogen
Kanopus-Dekret
239 v. Chr.
10°
Censorinus
139 n.Chr.
10° - 11°
Ptolemaios: Aufgang
2.Jh.n.Chr.
11° - 12°
Ptolemaios: Untergang
2.Jh.n.Chr.
9° - 10°
Dazu kommt noch eine Angabe des Dositheos bei Geminos aus der sich ein etwas kleinerer
Sehungsbogen von 8° bis 9° ableiten lässt, allerdings ist sein Datierungssystem
wesentlich ungenauer als das der oben genannten Quellen. Aus diesen Angaben erhält
man einen Durchschnittswert für den Sehungsbogen des Sirius in Unterägypten von
etwa 10°. Dieser Wert passt gut zu den 9° bis 10° die bei einer Kampagne im Jahr
1926 im modernen Ägypten in Kairo bzw. Heliopolis beobachtet wurden
[9]. Bei hervorragenden
Witterungsbedingungen konnte Sirius bei einem Sehungsbogen von etwa 9° beobachtet
werden, bei leichtem Dunst und durchschnittlichen Bedingungen erhöhte sich dieser
Wert auf 10° bis 11°. In Ägypten finden sich häufig Staub und Dunst in Horizontnähe,
sodass hervorragende Witterungsbedingungen selten zu erwarten sind. Es gibt zudem
Hinweise darauf, dass sich die klimatischen Bedingungen im Laufe der Zeit verändert
haben. Vermutlich muss von einem feuchteren Klima für das Alte Ägypten ausgegangen
werden: der Nil führte mehr Wasser und die Überschwemmungsebene war breiter
[10]; dies
begünstigt Dunst und Nebelbildung was sich wiederum auf Himmelsbeobachtungen
in Horizontnähe äußerst ungünstig auswirkt.
Diese Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen eines Marie Heim-Vögtlin
Stipendiums finanziert.
Erstellt von
Rita Gautschy