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Kanon der Sonnenfinsternisse von 2501 v. Chr. bis 1000 n. Chr.
Geometrie und Kenngrössen einer Sonnenfinsternis
Berechnung von Sonnenfinsternissen
Geschichte der Finsternisberechnungen
Einleitung
Die historische Chronologie basiert auf einem engen Zusammenspiel zwischen theoretischer Astronomie und
historischen Begebenheiten. Der Nutzen der Astronomie für die Chronologie besteht darin, astronomische
Erscheinungen, von denen in historischen Quellen die Rede ist, rechnerisch absolut zu fixieren. Wichtig
sind dabei vor allem Sonnen- und Mondfinsternisse, Neumond- bzw. Altmondsichtungen, sowie Beobachtungen
der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.
Geometrie und Kenngrössen einer Sonnenfinsternis
Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn von der Erde aus gesehen die Sonne vom Mond ganz oder
teilweise bedeckt wird. Das kann nur geschehen, wenn Sonne, Erde und Mond in
einer Linie stehen.
Berechnung von Sonnenfinsternissen
Geschichte der Finsternisberechnungen
Im 19. Jh. erwachte im Bereich der Altertumswissenschaften das Interesse an astronomischen Fragestellungen.
Mondbeobachtungen, Planetenbeobachtungen und Finsternisberichte wurden gefunden und waren chronologisch
festzulegen. Für solche Aufgaben publizierte Ginzel 1899 einen Kanon der Finsternisse zwischen 900 v. Chr.
und 600 n. Chr.[10]. Seine Arbeit
blieb und ist heute noch immer wegweisend für alle späteren Werke über Finsternisse, die mit Hauptaugenmerk auf
die chronologischen Zwecke von Finsternissen erstellt wurden. Ginzel hat in seinem Kanon Finsterniszitate
antiker Autoren gesammelt und Identifikationen vorgeschlagen. Sein Werk enthält Karten für die Gebiete
des klassischen Altertums, in denen für jedes Jahrhundert zwischen 900 v. Chr. und 600 n. Chr. die
Totalitätszonen von Sonnenfinsternissen eingezeichnet sind.
Daten und deren Download
Wenn Sie die folgenden Daten herunterladen und verwenden wollen, bitte ich Sie, als Referenz
vorerst die Adresse dieser Website anzugeben. Eine Publikation zum online-Kanon ist in der Zeitschrift
Klio vorgesehen (R. Gautschy, Sonnenfinsternisse und ihre chronologische Bedeutung: Ein neuer Sonnenfinsterniskanon
für Altertumswissenschaftler). Die Referenz wird hier nach Erscheinen des Artikels angegeben
werden.
Anmerkungen
Wegen ihres seltenen Vorkommens an einem bestimmten Ort auf der Erde, haben Sonnenfinsternisse das
grösste Potential, ein historisches Ereignis auf den Tag genau datieren zu können,
wenn eine totale oder beträchtliche Bedeckung der Sonne durch den Mond schriftlich
überliefert ist. Merkmale für eine beträchtliche bzw. totale Verfinsterung der Sonne sind:
In den historischen Quellen bis 1000 n. Chr. sind nur die Punkte 1) und 2) erwähnt. Bei 2) sei
sogleich darauf hingewiesen, dass antike Autoren oftmals schreiben, dass Sterne sichtbar
wurden, obwohl die heutigen Berechnungen zeigen, dass dies völlig unmöglich war. Die Angabe
dass der Tag zur Nacht wurde ist daher ein zuverlässigerer Hinweis dafür, dass es sich bei
der beschriebenen Sonnenfinsternis um eine totale am angegebenen Ort handelt. Die Phrase der
Sichtbarkeit von Sternen bei Sonnenfinsternissen sollte eher als Standardfloskel
zur Steigerung der Dramatik verstanden werden. Auffallend ist, dass Sonnen- und Mondfinsternisse
oft gleichzeitig mit Erdbeben und den erfolgten Zerstörungen, Kometen und anderen Ereignissen,
die man als negative Omina ansah, erwähnte - selbst zu Zeiten, als man über die Ursache der
Finsternisse längst Bescheid wusste.
Im Durchschnitt tritt an einem bestimmten Ort auf der Erde alle 375 Jahre eine totale
Sonnenfinsternis ein, zählt man die ringförmigen Sonnenfinsternisse dazu, so erhält man
einen Durchschnittswert von etwa alle 140 Jahre
[1].
Da die Mondbahn gegen die Sonnenbahn geneigt ist, kann dieser Fall nur
eintreten, wenn sich der Mond in der Nähe der so genannten Mondknoten befindet. Dies ist
im Schnitt nach jedem sechsten Neumond der Fall, manchmal auch schon nach dem fünften. Da
aufgrund der elliptischen Umlaufbahnen der Erde und des Mondes die Abstände zwischen den
Himmelskörpern schwanken und daher auch die scheinbaren Durchmesser des Mondes und der Sonne
variieren, sind unterschiedliche Arten von Sonnenfinsternissen möglich. Finsternisse, bei denen
die Achse des Mondschattens die Erde kreuzt, bezeichnet man als zentrale Finsternisse.
Bei diesen werden drei Arten unterschieden:
Eine Finsternis, bei der die Erde nur vom Halbschatten des Mondes getroffen wird, ist eine
partielle Sonnenfinsternis (P). Solche Finsternisse treten hauptsächlich in den polaren
Regionen der Erde auf, sie können aber auch im Mittelmeerraum noch zu Bedeckungen von 50%,
manchmal auch bis 70% führen.
Da die Totalitätszonen relativ schmal sind, sind nur vergleichsweise wenige Menschen
bei einer Sonnenfinsternis in der Lage, die vollständige Bedeckung der Sonne zu beobachten.
Wesentlich breiter als der Kernschatten des Mondes ist der so genannte Halbschatten, der
mehrere tausend Kilometer breit ist und ermöglicht, dass von mehr als einem Viertel der
Erdoberfläche aus eine teilweise Verfinsterung der Sonne beobachtbar ist.
Unglücklicherweise wird auch diese nur teilweise Bedeckung bei einer zentralen Finsternis
als partielle Sonnenfinsternis bezeichnet.
Die wichtigste Kenngrösse einer Sonnenfinsternis für Altertumswissenschaftler ist der
Bedeckungsgrad oder die Grösse bzw. Magnitude, mit denen das Ausmass der Bedeckung
beschrieben wird.
Während des Verlaufs einer Finsternis nehmen Bedeckungsgrad und Größe langsam zu, erreichen
Maximalwerte und nehmen wieder ab.
Die Berechnung wann und wo auf der Erde Sonnenfinsternisse beobachtbar sind, wird mit Hilfe
der so genannten Bessel'schen Elemente ausgeführt. Die Methode wurde von Friedrich
Wilhelm Bessel im Jahr 1842 entwickelt und erfuhr seither zahlreiche Verfeinerungen
[2].
Die grundlegende Idee dabei ist, dass die Bessel'schen Elemente die Bewegung des Mondschattens
auf der geeignet gewählten, sogenannten Fundamentalebene wiedergeben. Die Fundamentalebene
geht durch den Erdmittelpunkt und steht senkrecht auf der Achse des Schattenkegels.
Zur Beschreibung der Bewegung des Schattens in dieser Ebene ist die Angabe einiger weniger
geometrischer Größen ausreichend; in einem weiteren Schritt werden daraus durch Projektion die
Gegebenheiten auf der Erdoberfläche berechnet.
Im oben abgebildeten System sind - wenn x, y, und z die Koordinaten des Zentrums des Mondes sind - die
Koordinaten des Zentrums der Umbra in der Fundamentalebene x und y. Die Bessel'schen Elemente
sind dann folgende Grössen:
Als Längeneinheit wird der Äquatorradius der Erde verwendet.
Die Bessel'schen Elemente sind zeitabhängig; sie müssen daher für einen mehrere Stunden
umfassenden Zeitraum angegeben werden. Es gibt mehrere Varianten der Veröffentlichung der Bessel'schen
Elemente einer Sonnenfinsternis: entweder werden die Werte aller nicht als konstant anzusehenden
Elemente in Zehn-Minuten-Intervallen für den gesamten Finsternisverlauf tabellarisch angegeben,
sodass Zwischenwerte interpoliert werden können. Oder die Bessel'schen Elemente werden für eine
Referenzzeit t0 angegeben und zusätzlich die stündlichen Änderungen der Elemente. Dies ermöglicht
die Berechnung der Werte für andere Zeitpunkte des Finsternisverlaufs als lineare Funktion der Zeit.
An Stelle einer linearen kann für grösserer Genauigkeit auch eine polynomiale Form
gewählt werden. Terme bis 3. Ordnung gewährleisten genügende Genauigkeit für die meisten Zwecke.
Wenn man von der Sonne aus eine Sonnenfinsternis auf der Erdoberfläche verfolgen könnte, sähe man
während einiger Stunden die grosse Penumbra des Mondes - grau in der folgenden Abbildung -
und die viel kleinere Umbra - schwarz - über die Erde hinwegziehen:
Für alle Punkte auf der Kurve N-PN1-PS1-S auf der Erdkugel ist der Zeitpunkt des Sonnenaufgangs gekommen. Für alle Punkte
auf dem N-S-Meridian ist es Mittag. Alle Punkte auf der Kurve N-PN2-PS2-S haben Sonnenuntergang. Projiziert
man die Schnittpunkte auf eine geographische Karte der Erde, so haben die oben beschriebenen
Regionen ovale Umrisse: PN1-P2-PS1-P1 bzw. PN2-P4-PS2-P3 in der Abbildung rechts.
ΔT und seine Unsicherheit
Für viele Jahrhunderte war die Rotationsperiode der Erde in Bezug auf die Sonne die fundamentale
Zeiteinheit. Universalzeit (UT), auch Mittlere Greenwichzeit (GMT) genannt, basiert auf der
mittleren Sonnenzeit in Greenwich. UT ist aber leider keine gleichförmige Zeitskala weil sich
die Rotationsperiode der Erde im Laufe verlangsamt. Daher ist die Berechnung der lokalen Umstände
von Sonnenfinsternissen für weit zurückliegende Zeiten mit gewissen Unsicherheiten belastet.
Sehr wichtig für die langsamer werdende Erdrotation ist die so genannte Gezeitenreibung. Die Gezeiten
entstehen durch die Gravitationswirkung von Mond und Sonne auf die Wasser- und Luftmassen der Erde.
Das Wandern des Flutberges verbraucht - besonders in den engen Meeresstrassen - Rotationsenergie der
Erde. Der Drehimpuls der Erde nimmt ebenfalls mit der Zeit ab. Dies hat eine Rückwirkung auf den Mond:
Der Flutberg wird durch die Rotation mitgenommen und "beschleunigt" seinerseits den Mond. Dadurch wächst
die Entfernung des Mondes und die Umlaufdauer des Mondes wird länger. Der Gesamtdrehimpuls des
Systems Erde - Mond bleibt dabei erhalten. Heute werden für die Zeitmessung Atomuhren verwendet. Eine
atomare Zeitskala ist die Terrestrische Dynamische Zeit (TDT). Sonnenfinsternisberechnungen basieren
auf TDT, aber die Lage des Sichtbarkeitsgebietes der Finsternis auf der Erde hängt von UT ab. Daher
müssen die Rechenergebnisse von TDT in UT umgerechnet werden. Dafür muss man die Zeitdifferenz
zwischen TDT und UT kennen. Dieser Zeitunterschied, ΔT genannt, der sich auf ca. 12 Stunden im Jahr
2000 v. Chr. aufsummiert und die Unsicherheit desselben (2000 v. Chr. etwa 2 Stunden) muss
in die Berechnungen eingehen.
Für weitere Informationen bzgl. ΔT empfehle ich die Webseite von
Robert van Gent.
Berechnungen in diesem Kanon
Für die Berechnung der Mond- und Sonnenpositionen im Zeitraum zwischen 2500 v. Chr. und
1000 n. Chr. wurden die DE406-Langzeit Ephemeriden des Jet Propulsion Laboratory gewählt,
welche es erlauben, die Positionen der Sonne, des Mondes und aller Planeten zwischen
3001 v. Chr. und 3000 n. Chr. zu berechnen
[3]. Für eine detailliertere Beschreibung der verwendeten
Ephemeriden (in Englisch) siehe
hier.
Für ΔT wurden die polynomialen Ausdrücke von Espenak
verwendet[4], für die Abschätzung
der Unsicherheit dieser Werte die Formel von Huber
[5]. Alle Berechnungen wurden für einen Wert der säkularen
Gezeitenbeschleunigung des Mondes von
Jahr
ΔT
Unsicherheit (ΔT)
-3000
20h 31m
±2h 30m
-2500
16h 30m
±1h 42m
-2000
12h 54m
±1h 02m
-1500
9h 44m
±32m
-1000
7h 01m
±11m
-500
4h 45m
±7m
0
2h 35m
±5m
500
1h 55m
±2m20s
1000
26m 10s
±55s
Die Berechnung der Sonnenfinsternisse und der lokalen Umstände für bestimmte Orte erfolgte
in drei Schritten.
Der vorliegende Kanon enthält alle Sonnenfinsternisse zwischen 2500 v. Chr. und 1000 n. Chr., die
im geographischen Bereich zwischen (20°N, 5°O), (20°N, 50°O), (50°N, 5°O) und (50°N, 50°O) potenziell
auffällig waren und somit für Identifikationen für Finsternisberichte aus diesem geographischen
Bereich in Frage kommen, auch wenn sie nicht vorhergesagt wurden. Genaue Finsternisvorhersagen sind
schriftlich erstmals ab etwa 300 v. Chr. in Babylon greifbar; ab dann finden sich Berichte,
in denen auch Sonnenfinsternisse mit geringeren Magnituden als 0.5 überliefert sind. Deswegen werden
in einer separaten Tabelle die Daten all derjenigen Sonnenfinsternisse aufgeführt, die im
betrachteten geographischen Bereich zwar eine geringere Magnitude als 0.5 erreichten, aber dennoch
schriftlich belegt sind.
Beispiel: -2000
mittleres ΔT: 12h 54m
unteres ΔT: mittleres ΔT - Unsicherheit = 12h 54m
- 1h 02m = 11h 52m
oberes ΔT: mittleres ΔT + Unsicherheit = 12h 54m
+ 1h 02m = 13h 56m
Da dieser Sonnenfinsterniskanon auf historische Finsternisse ausgelegt ist, werden die
Bessel'schen Elemente für einen Referenzzeitpunkt t0 berechnet und die stündlichen Änderungen
der Elemente angegeben. Diese lineare Form der Berechnung der Elemente ist gerechtfertigt,
weil die Unsicherheit des ΔT-Wertes im betreffenden Zeitraum viel grösser ist als die
Unterschiede, die eine polynomiale Form 3.Ordnung im Vergleich zur linearen Form bewirkt.
Bessel'sche Elemente in polynomialer Form für alle Finsternisse zwischen 2000 v. Chr. und
3000 n. Chr. gerechnet für das mittlere ΔT und älteren Mond- und Sonnenephemeriden
finden sich auf der NASA Eclipse
Web Site.
Stephenson & Houlden haben 1986 einen Sonnenfinsterniskanon für Ostasien für den Zeitraum zwischen
1500 v. Chr. und 1900 n. Chr. herausgegeben [11].
Für die Berechnung der Mondposition wurden die J=2-Mondephemeriden der International Astronomical
Union (1968) verwendet[12],
allerdings angepasst an einen aktuelleren Wert für die Gezeitenbeschleunigung des Mondes von -26"/cy2.
Der Atlas enthält Karten, in denen die Totalitätszonen eingezeichnet und für ausgewählte Längengrade
die zugehörigen Breiten, die Lokalzeit und die Sonnenhöhe angegeben sind.
Der bislang letzte Finsterniskanon, der speziell auf die Bedürfnisse von Altertumswissenschaftlern
ausgerichtet ist, wurde 2002 von Salvo de Meis publiziert[13];
sein Kanon enthält Berechnungen und Karten der Sichtbarkeitsgebiete für Sonnen- und Mondfinsternisse,
die in Quellentexten überliefert sind, beginnend 763 v. Chr. und endend 1740 n. Chr. Für jede
Finsternis werden dort das Zitat in englischer Übersetzung, die Zeiten und die Magnitude für
den bzw. die Beobachtungsort(e) angegeben. Die Berechnungen im de Meis Kanon basieren auf den
VSOP87[14] (für die Sonne)
und ELP2000-Ephemeriden[15]
(für den Mond) des Bureau des Longitudes in Paris.
Die überlieferten babylonischen Sonnen- und Mondfinsternisbeobachtungen bzw. -berechnungen wurden 2004
von Huber & de Meis publiziert[16].
Die Berechnungen der Ephemeriden beruhen auf Programmen, welche die Tabellen von
Tuckerman[17] und
Goldstine[18] verwenden.
Huber inkludiert jedoch einige zusätzliche Störungsterme. Die Karten mit den
Sichtbarkeitsgebieten für die Finsternisse wurden von S. de Meis angefertigt, basierend
auf denselben Ephemeriden, die er auch in
seinem Kanon[13] verwendet hat.
Huber gibt zu jeder identifizierbaren Sonnenfinsternis das babylonische Datum, Universalzeit, Beginnzeit und
dazugehörige Sonnehöhe, Zeitpunkt der maximalen Finsternis und dazugehörige Sonnenhöhe, Endzeit und Sonnenhöhe,
die erreichte Magnitude, die Dauer einer allfälligen Totalität, sowie die Zeitpunkte des Sonnenauf- bzw. -untergangs
an.
Abgesehen von Ginzel's Kanon enthalten die oben erwähnten Werke ausschliesslich Karten von Finsternissen, die schriftlich
belegt sind. Der hier vorliegende, elektronische Kanon der Sonnenfinsternisse hingegen lehnt sich stark an
den Ginzel'schen an. Der vorliegende Kanon enthält Karten aller Sonnenfinsternisse, die im Zeitraum zwischen 2500 v. Chr. und
1000 n. Chr. im ausgewählten geographischen Bereich potentiell auffällig waren, d.h. die eine Magnitude
von mindestens 0.5 erreicht haben.
Der folgende Auszug aus den erstellten Tabellen soll den Aufbau des Kanons illustrieren:
Für jede Sonnenfinsternis wird Folgendes angegeben:
Für die Orte Athen, Rom, Babylon, Memphis, Theben, Alexandria und Knossos folgen dann:
Ist eine Sonnenfinsternis schriftlich belegt, so folgt die Quellenangabe, die direkt anklickbar ist
mit dem Zitat im Original (soweit möglich) und in englischer Übersetzung, z.B.:
Für die Sonnenfinsternisse ab etwa 100 n. Chr. wurde jeweils ein einziges Zitat ausgewählt,
und zwar dasjenige, das am meisten Informationen über die Finsternis enthält, auch wenn mehrere
Quellen die entsprechende Finsternis erwähnen.
Sollten die Zitate nicht korrekt angezeigt werden oder die Datei nicht an der richtigen Stelle
geöffnet werden (browserabhängig!), so können die beiden .pdf-Dateinen mit den Zitaten hier
geladen und gespeichert werden:
babfinst.pdf und
eclipsecitations.pdf.
Einen Katalog mit Finsterniszitaten, der
unterschiedliche Quellen für einzelne Finsternisse berücksichtigt, hat
Gorodezkii Michail Leonidovich zusammengestellt.
Für jede Sonnenfinsternis ist eine Karte für den geographischen Bereich zwischen
(20°N, 5°O), (20°N, 50°O), (50°N, 5°O) und (50°N, 50°O) verfügbar. Ist eine Finsternis schriftlich
belegt, so gibt es weitere Detailplots für die Gebiete Italien, Griechenland und Kleinasien,
Ägypten und Vorderasien. Die Karten sind im Unterkapitel Sichtbarkeitsgebiet
einer Sonnenfinsternis genau beschrieben.
Neben den hier erwähnten Publikationen über Sonnenfinsternisse, deren Hauptaugenmerk auf den historischen
Finsternissen liegt, gibt es zahlreiche weitere rein astronomische Publikationen, deren Ziel die
Auflistung aller irgendwo auf der Erde sichtbar gewesenen und sein werdenden Sonnenfinsternisse
innerhalb eines bestimmten Zeitraums ist. Dazu gehören u. a. die Publikationen von
Oppolzer[19],
Mucke & Meeus[20],
und Espenak[21].
Die folgenden Tabelle enthält Listen für die Orte Athen, Rom, Babylon, Memphis, Theben,
Alexandria und Knossos, in denen sich alle Sonnenfinsternisse finden lassen, und bei denen an
diesem Ort die Sonne zu 50%, 60%, 70%, 80%, 90% bzw. 100% vom Mond bedeckt wurde. Diese
Listen enthalten folgende Angaben:
Ort
50% Bedeckung
60% Bedeckung
70% Bedeckung
80% Bedeckung
90% Bedeckung
100% Bedeckung
Athen
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Rom
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Babylon
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Memphis
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Theben
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Alexandria
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Knossos
hier
hier
hier
hier
hier
hier
Sichtbarkeitsgebiet einer Sonnenfinsternis
Diese Abbildung zeigt das Sichtbarkeitsgebiet der ringförmig-totalen Sonnenfinsternis vom 12. Mai 361 v. Chr.,
die bei Plutarch, Vita Dionis XIX.4, schriftlich überliefert ist.
Beim grün beschrifteten Punkt P1 trifft der Mondschatten erstmals auf die Erdoberfläche, d. h. die Sonnenfinsternis beginnt.
Die zwei roten Punkte PN1 und PS1 geben
den nördlichsten bzw. südlichsten Punkt an, an dem die Sonnenfinsternis gerade nicht mehr beobachtet werden kann. Für
alle Punkte auf der blauen Kurve zwischen PN1, P1 und PS1 beginnt die Sonnenfinsternis genau bei Sonnenaufgang, d.h. die
gesamte Finsternis kann beobachtet werden. Für alle Punkte auf der gelben Kurve zwischen PN1, C1 und PS1 findet die
maximale Bedeckung der Sonne bei Sonnenaufgang statt, d.h. nur die zweite Hälfte der Finsternis kann beobachtet werden. Für alle
Punkte auf der blauen Kurve zwischen PN1, P2 und PS1 endet die Sonnenfinsternis bei Sonnenaufgang, d.h. hier kann gerade
kein Teil der Finsternis beobachtet werden. Ausgehend von der gelben Kurve PN1-C1-PS1 sind in rot die Lage der Totalitätszone
der Sonnenfinsternis sowie in gelb bzw. in unterschiedlichen Grüntönen so genannte Isomagnituden eingezeichnet. Bei der Totalitäszone sind die
nördliche Grenze, die Zentrallienie und die südliche Grenze angegeben. Die grünen Isomagnituden zeigen an,
wo die Sonne zu 90%, 80%, 70%, 50% bzw. in gelb zu 0% verfinstert wird. Beim grün beschrifteten Punkt P4 verlässt der
Mondschatten die Erdoberfläche wieder, d. h. die Sonnenfinsternis endet. Für alle Orte auf der blauen Kurve zwischen PN2, P4
und PS2 endet die Sonnenfinsternis genau bei Sonnenuntergang. Für alle Orte auf der gelben Linie PN2, C2 und
PS2 findet die maximale Bedeckung der Sonne bei Sonnenuntergang statt, d.h. nur die erste Hälfte der Finsternis
kann beobachtet werden. Für alle Orte auf der blauen Linie PN2, P3 und PS2 beginnt die Sonnenfinsternis bei
Sonnenuntergang, d.h. hier kann kein Teil der Finsternis beobachtet werden.
Die Karten in diesem Sonnenfinsterniskanon beschränken sich auf den geographischen Bereich zwischen
(20°N, 5°O), (20°N, 50°O), (50°N, 5°O) und (50°N, 50°O). Das bedeutet, dass nie das gesamte Sichtbarkeitsgebiet der
Sonnenfinsternis wie in der obigen Abbildung dargestellt ist:
Die zwei roten durchgezogen Linien geben den Bereich der Totalitätszone der Sonnenfinsternis an,
wenn man mit einem mittleren ΔT-Wert rechnet. Die grünen Isomagnitudenlinien, die angeben wo
90%, 80%, 70% bzw. 50% der Sonne bedeckt wurden, sind in den Karten im Normalfall jeweils mit dem
mittleren ΔT-Wert berechnet. Das Gleiche gilt für die blauen Sonnenaufgangs- bzw.
-untergangskurven und die gelbe Linie, welche das Maximum der Finsternis im Horizont angibt. Deswegen
enden die zwei roten durchgezogenen Linien genau auf der gelben "Maximum im Horizont"-Linie, während
die roten strichlierten bzw. roten punkt-strichlierten Linien etwas vor bzw. hinter der gelben Linie enden.
Wird bei einer Sonnenfinsternis im definierten geographischen Bereich die Grenzmagnitude von 0.5 nicht
überschritten wenn man mit dem mittlere ΔT-Wert rechnet, ist dies aber der Fall beim unteren bzw.
oberen ΔT-Wert, dann sind die genannten Kurven strichliert bzw. punkt-strichliert gezeichnet.
Die beiden roten strichlierten Linien zeigen die Lage der Totalitätszone dieser Sonnenfinsternis,
wenn man mit einem unteren ΔT-Wert rechnet, die roten punkt-strichlierten Linien, wenn man mit einem
oberen ΔT-Wert rechnet. Die Abweichungen der strichlierten bzw. punkt-strichlierten Linien von der
durchgezogenen Linie geben somit die Unsicherheit der Berechnungen an, die durch die Unsicherheit des
Zeitunterschieds ΔT bedingt sind. Für das Beispiel hier bedeutet das, dass man sagen kann, dass die Totalitäszone
sicher über Sizilien und Kreta verlief, ob aber in Sparta (Nr. 6) die Sonne zu 100% oder nur
zu ca. 96% bedeckt worden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die schwarze Linie gibt die
Zentrallinie der Sonnenfinsternis an, gerechnet mit einem mittleren ΔT-Wert. Schwarze Häkchen
auf der Zentrallinie geben im Abstand von je einer Viertelstunde die Lokalzeit an (im
vorliegenden Beispiel 16.5, d.h. 16:30 Uhr), diese Zeiten stimmen ausschliesslich für die
Zentrallinie und sie sollen als grobe zeitliche Orientierung dienen.
Handelt es sich bei der Sonnenfinsternis um eine partielle Finsternis, so sind die Isomagnitudenlinien,
die angeben wo 90%, 80%, 70% bzw. 50% der Sonne bedeckt wurden, in den Karten in unterschiedlichen Lilatönen
angegeben.
Für jede Sonnenfinsternis sind zahlreiche, während dieser Periode wichtige Orte als kleine blaue
Kreise eingezeichnet, deren Namen und Koordinaten sich im
Ortsregister finden lassen. Zehn in der
entsprechenden Periode wichtige Orte
sind jeweils rot eingezeichnet, mit Nummern versehen, und die Namen der entsprechenden Städte
sind rechts ausserhalb der Karte angegeben.
Für diejenigen Sonnenfinsternisse, die schriftlich überliefert sind, sind weitere Detailkarten
für die Gebiete Italien, Griechenland und Kleinasien, Ägypten und Voderasien verfügbar. Die
folgenden Abbildung zeigt je ein Beispiel für die entsprechenden Regionen:
Die feine Unterteilung des Gebiets in 1°-Schritten soll es ermöglichen, auf einfache Weise die Lage eines
Ortes zu eruieren, der nicht im Ortsregister eingetragen ist. Die mit Nummern versehenen Orte variieren
je nach Periode und ihre Namen können im Ortsregister
nachgeschlagen werden.
Wegen der Grösse der Dateien ist der Kanon in der folgenden Tabelle nach Jahrhunderten unterteilt. Der Link
in der ersten Spalte führt zu allen im ausgewählten Gebiet auffälligen Sonnenfinsternissen im entsprechenden Jahrhundert;
in der letzten Spalte können .zip-files heruntergeladen werden, welche die berechneten Daten enthalten. Die
letzte Zeile in der Tabelle verweist auf die Liste jener Sonnenfinsternisse, die schriftlich belegt sind, die aber im
ausgewählten Gebiet die vorgegebene Grenzmagnitude von 0.5 nicht erreicht haben.
Diese Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen eines Marie Heim-Vögtlin
Stipendiums finanziert.
Ich möchte mich bei Alfred Gautschy, Bill Gray, Peter J. Huber, Kurt Locher, Salvo de Meis und Robert Nufer bedanken, die in
verschiedenen Phasen der Entstehung dieses Kanons mit Anregungen, Kommentaren und Korrekturen einen wichtigen Beitrag geliefert haben.
Erstellt von
Rita Gautschy, Version 2.0, Januar 2012